Die Geschichte vom furchtbaren, lieben Schlägertypen

Der Anfang des Textes basiert auf einer wahren Geschichte. Beide Hauptpersonen gibt es wirklich, doch haben sich beide wohl nie getroffen.

Kräftig sieht er aus und sehr gemein: Die schlimmste Schlägertype der Stadt. Wenn er an der Haltestelle steht, halten die Leute Abstand. Er könnte sie alle vernichten, denn er ist ihr schlimmster Alptraum, mit seiner Statur wie die Front eines LKWs und Fäusten so schnell wie ein Falke. Ich sehe ihn und muss lachen:

denn er hört mit seinen Kopfhörern das Lied ,,Lieblingsmensch" von Namika.

Bestimmt hat er heute ein Mädchen gesehen. Vielleicht war es eine junge, blonde Studentin, die erschöpft vom Tag in der Bahn auf dem Weg nach Hause war. Ihre Haare waren vom Tag zerzaust, das fand er gut. Doch was soll er tun?

Die beste Möglichkeit wäre natürlich, in den Wald zu gehen und einen Wolf zu jagen. Diese soll es hier nämlich wieder geben und er müsste nur mit bloßen Händen einen umbringen. Das kann er. So würde er ihr einen Wolfspelz schenken, denn hübsche Frauen mögen Pelz.

Was sie wohl gerade denkt? Sie hat den ganzen Tag an einem Problem ihres Projekts gesessen. Die Uni kann schon sehr schlimm sein. Und gerade frieren ihre Ohren so schrecklich wegen des Winters. Was würde sie nur für eine Pelzmütze geben?

Während dessen stapfte der schlimmste Schlägertyp der Stadt durch den Wald. Überall raschelte es, doch er hatte keine Angst. Er denkt, er sei der König des Waldes, nein: der König dieses ganzen scheiß Planeten. Warum stehen die Frauen bei ihm eigentlich nicht schlange? Wie können die es wagen? Er haute wütend gegen einen Baum. Sofort knurrte es aus dem Unterholz, denn ein Wolf hatte ihn entdeckt.

Das Tier war besonders mächtig. Es zeigte seine Zähne und blickte den Schlägertypen wild entschlossen an. Im Wolfsgehirn war der Typ bereits als Abendessen deklariert. Nun sollte es zum Kampf kommen: Der Wolfs sprang auf ihn zu, bekam eine Ohrfeige rechts und eine links, dann fuhr er freiwillig aus seiner Haut. Es war ein grausamer Anblick, doch unser Schläger hatte nun einen Pelz.

Voller Vorfreude brachte er den Wolfspelz aus dem Wald. Ein paar Passanten beschwerten sich: ,,Sind sie verrückt? Das arme Tier!", da schrie er sie an:

,,Haltet eure Schnauze, es geht hier um die Liebe!"

...und schon hatten sich die Passanten ein paar Ohrfeigen eingefangen und waren ruhig - für immer.

Nun musste er nur noch herausfinden, wo die Studentin wohnte. Dazu googlete er einfach ,,Hübsche Blonde Studentin" und siehe da: sie war sogar noch auf Seite Eins der Suchergebnisse. Wer hätte das gedacht? Bestimmt ihre knapp dreihundert Stalker, die ihr täglich Blumen senden. Wieso hatte eigentlich keiner von DENEN die Idee mit dem Pelz?

Es war fast Mitternacht, als die Studentin weinend vor ihrer Haustür saß. Leider hatte sie ihren Schlüssel verloren und niemand war da, der sie rein ließ. Der Mond stand hoch und ein kalter Wind blies durch ihr Viertel, da tauchte unser Schläger auf und lächelte sie an. Sie meinte:

,,Mir ist so kalt...",

da klatschte er ihr den noch warmen Pelz auf den Kopf und während das Blut des Wolfes langsam ihr Gesicht entlang lief, grinste sie und sagte:

 ,,Danke!"