Der Verein des verwahrlosten Schlosses

,,Wir sind der Verein für die Erhaltung des verwahrlosten Schlosses. Wir schützen diese Ruine vor Vandalismus und dem Verfall. Dafür stehen wir mit unserem Namen. "

stand auf dem Flyer, den mir die alte Frau in die Hand drückte, dann sabbelte sie etwas auf Tschechisch und spuckte mir vor die Füße. ,,Hackts?" meine ich zu ihr, doch sie rennt weg, oder besser gesagt humpelt, denn ihre alten Beine tragen sie nicht so schnell. Ich glaube, heute verzichte ich darauf, sie zu verfolgen. Genau so wie sonst auch. 

Das verwahrloste Schloss sieht interessant aus, die Zeit hat ihm nur übel mitgespielt. Ich beschließe, mir die Sache mal genauer anzusehen und nehme den nächsten Bus dorthin. Er hält vor einer Bäckerei. Eine Krähe hat sich gerade Zutritt verschafft, mit einem Zahnstocher im Schnabel bedroht sie den Kassierer. 

,,Das hätt'es in der DDR nicht gegeben, die hätten dich nach Sibirien geschickt!"

entgegnet er fluchend mit sächsischem Akzent. Dann gibt er der Krähe ein Brötchen. Ich sehe gerade, wie sich der Vogel auf den Kuchen deutet, da fährt der Bus weiter.

Etwas später komme ich im Schloss an, oder besser gesagt, was davon übrig blieb, nachdem auf Facebook das Gerücht stand, hier solle eine Flüchtlingserstaufnahmeeinrichtung entstehen. Ganze drei mal haben sie die Bude angezündet, da sie sicher sein wollten, dass hier auch ja niemand mehr wohnen kann. Diese Rechten sind wirklich schräg. 

,,Die Heimat beschützen, in dem wir die Heimat abfackeln",

steht wahrscheinlich auf ihren Flyern. Ich gehe in das Schloss, dort die Wendeltreppe nach oben und schon eröffnet sich mir ein ausgezeichneter Ausblick. Ich seufze, als ich die Polizei anfahren sehe. Sie umstellen das Schloss und zielen mit ihren Waffen auf den Eingang.

,,Kommen Sie mit erhobenen Händen heraus, oder wir eröffnen das Feuer!"

rufen sie, einige von Ihnen formieren sich mit einem Rammbock vor der Tür. 

,,Ist offen!",

rufe ich. Sie brechen die Tür trotzdem auf und eröffnen das Feuer, doch sie schießen nicht auf mich: Die Krähe aus der Bäckerei hatte sich im Schloss versteckt, ihren erbeuteten Kuchen konnte Sie nicht mehr auffressen. Von den Kugeln durchsiebt wird sie festgenommen. 

Als die Polizisten nicht hinsehen, hebe ich kurz ein Kuchenstück auf und verstecke es, dann sehe ich zu einer dunklen Ritze in der Wand und nicke. Zwei junge Krähenköpfe tauchen aus dem Schatten auf und nicken zurück. Dann gehe ich.